Eine große Waage im Büro stellt Mitarbeitende und menschliche Arbeit auf der einen Seite einer KI mit Arbeitsunterlagen auf der anderen gegenüber und symbolisiert die sorgfältige Abwägung von Personalentscheidungen beim KI-Einsatz.

Kurz beantwortet

KI-Personalabbau braucht zuerst eine belastbare Prüfung, was KI im Betrieb zuverlässig leistet. Ein Technologiekonzern stoppte die zweite Runde seines Stellenabbaus, weil die erhofften Ergebnisse ausblieben. Der Fehler lag in der Reihenfolge, nicht im Einsatz von KI.

Ein US-Technologiekonzern wollte einzelne Teams um bis zu 60 Prozent verkleinern und die frei werdende Arbeit an KI-Agenten übergeben, also an Programme, die Aufgaben selbstständig erledigen sollen. Das geht aus einer Reuters-Recherche hervor, die auf internen Dokumenten und Gesprächen mit mehr als 20 Personen aus dem Unternehmen beruht. Nach einer ersten Entlassungsrunde wurde der zweite, größere Schritt gestoppt. Für Unternehmen, die gerade über den Einsatz von KI zur Personalkostensenkung nachdenken, lohnt sich ein genauer Blick auf die Gründe.

Was ist bei dem Konzern konkret passiert?

Der Konzern plante, große Abteilungen durch kleine Teams mit umfangreichen KI-Werkzeugen zu ersetzen. Interne Planspiele sahen vor, zahlreiche Teams drastisch zu verkleinern: Ein Teil der Beschäftigten sollte in andere Bereiche wechseln, ein Teil das Unternehmen verlassen. Die erste Entlassungsrunde wurde umgesetzt. Die zweite, ursprünglich für November vorgesehen, wurde kurzfristig abgesagt.

Warum wurde der zweite Schritt gestoppt?

Weil die erhofften Ergebnisse ausblieben und der Widerstand in der Belegschaft zunahm. Zwar stieg laut internen Kennzahlen die Menge an KI-generiertem Code deutlich, die Zahl tatsächlich fertiggestellter, ausgelieferter Funktionen konnte damit aber nicht mithalten. Gleichzeitig nahmen technische Probleme und Sicherheitsvorfälle zu. Ein weiterer Faktor: Viele Mitarbeiter befürchteten, mit ihrer eigenen Arbeit die KI zu trainieren, die anschließend ihre eigene Stelle ersetzen sollte.

Was lässt sich daraus für die eigene Entscheidung ableiten?

Der strukturelle Fehler lag nicht im Einsatz von KI selbst, sondern in der Reihenfolge. Der Personalabbau war geplant, bevor belastbar geklärt war, was die Technologie im laufenden Betrieb tatsächlich zuverlässig leistet. Eine Organisation, die zuerst Stellen abbaut und die Wirksamkeit der KI erst danach prüft, trägt das Risiko einer Fehlentscheidung allein.

Welche Fragen sollten Sie vor einer ähnlichen Entscheidung klären?

Drei Fragen sind vorab zu beantworten, bevor Personalentscheidungen an eine KI-Einführung gekoppelt werden:

Erstens: Ist belastbar geprüft, welche Aufgaben KI in der eigenen Organisation zuverlässig übernehmen kann, nicht im Pilotversuch, sondern im laufenden Betrieb über einen längeren Zeitraum?

Zweitens: Wer trägt die Verantwortung, wenn Qualität, Sicherheit oder Kundenzufriedenheit während des Übergangs leiden?

Drittens: Wie reagiert die eigene Belegschaft auf den geplanten Wandel, und welchen Einfluss hat das auf die tatsächliche Umsetzung?

Eine belastbare Antwort auf diese drei Fragen zeigt, ob eine Personalentscheidung auf einer geprüften Grundlage steht oder auf einer Erwartung, die sich erst noch bestätigen muss.

Erst die Wirkung prüfen,
dann Stellen planen.

Wenn Sie diese Fragen für Ihr Unternehmen einordnen möchten: